Alice Francis

Electric Shock

Während ihrer fast dreijährigen Welt-Tournee, die dem Trio Auftritte in u.a. Kanada, Russland oder Israel bescherten und auf der sie neben anderen gemeinsam mit Alicia Keys, Erykah Badu und Public Enemy auftraten, haben Sängerin Miss Francis, Produzent Goldielocks und One-Man-Choir Sir Chul Min Yoo in Hotelzimmern, eleganten Frequent-Flyer-Lounges oder auch mal abgeschnitten vom Rest der Welt in einer einsamen Berghütte an ihrem neuen Langspieler getüftelt. Nach drei weiteren Monaten detail-verliebter Studio-Feinarbeiten, mitunter im legendären Sterling-Sound Master-Studio in New York, ist „Electric Shock“ jetzt fertig.

Alice Francis
Und wenn hier was schockt, dann wohl der Umstand, wie unfassbar eingängig Musik ins Ohr gehen kann, die sich allen gängigen Genre-Definitionen derart geschickt entzieht. Was wiederum zu keinem kleinen Teil am phänomenalen Gesang Miss Francis’ liegt. Allein für die ersten vier Songs des neuen Albums („Too Damn Hot“, „Getting Cross“, „Beatptized“ und „Beautiful Pain“) bräuchten alle, die nicht Alice Francis sind, vier Frontfrauen. Ob als Roaring 20ies Vamp, wohltuende Melange aus Kelis und Missy Elliott oder auch als Expertin für leise Töne - die Frontfrau mit den tansanisch-rumänischen Wurzeln überrascht gesanglich immer wieder aufs Neue.

Mit ihrem zweiten Album gehen die drei noch sehr viel weiter, als es der Stempel Electro-Swing (der ja schon beim Debüt „St. James Ballroom“ nur bedingt passte) vermuten ließe. Und kommen dem unerreichbaren Ideal des „eigenen Sounds“ auf diese Weise ein gutes Stück näher. Auf „Electric Shock“ gelingt die Mischung aus entlegenen mechanischen und zeitgeistig-digitalen Klangquellen z(s)wingender denn je. Die Ausweitung der Klangzone geht allerdings weit über die verwendete Technik hinaus. Von ihren Reisen haben die global agierenden Musik-Diplomaten jede Menge exotischer bzw. ungewöhnlicher Instrumente mitgebracht. Auch diese hatten zur Folge, dass sich die Bandbreite der musikalischen Einflüsse verändert: Wie selbstverständlich finden sich auf „Electric Shock“ Spuren-Elemente von Blues, Swing, Pop, House, Ragga und, ja, sogar Klassik.

Dass ihre Passion für die Kultur der 1920- & 30er Jahre auch auf „Electric Shock“ durchklingt, ist dennoch kein Wunder. Allerdings haben Alice Francis überhaupt kein Interesse an einer Wiederauferstehung längst vergangener Zeiten. Sie sorgen nur dafür, dass, was noch heute schwingt, nicht einfach in Vergessenheit gerät.
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