Gordon November

XI

Es gibt ein Phänomen in Deutschland, das einem Engländer oder Amerikaner schwer bis gar nicht zu erklären ist, es trägt den ziemlich unschönen Namen „Fremdschämen“. Fast jeder Liedermacher, Songwriter, Popmusiker oder Rocker, der deutsche Verse liebt und singt, ist ihm schon auf den Leim gegangen, indem er – oder sie – Texte sang, die auf unerklärliche Weise irgendwie peinlich sind.

Album Cover

Erscheinungsdatum: 10.07.2015

Nur wenige Künstler sind der fiesen Falle bisher aus dem Weg gegangen. Einer von ihnen ist Gordon November.
Fragt sich jetzt, woran das liegen könnte. Lässt sich zum Glück einigermaßen leicht erklären, wenn wir Novembers neues Album „XI“ zu Rate ziehen. Selbiges arbeitet sich durch mannigfaltige Stile, Themen und Sounds, was es schon mal zu etwas Besonderem erhebt. Und selbst wenn diese Behauptung alles riskiert und sich sehr, sehr weit aus dem Fenster lehnt: Mit „XI“ wären Fans von Peter Maffay und den Toten Hosen, Pur und den Puhdys, Nena und den Ärzten oder Udo Jürgens und Laith Al Deen vor einer Bühne zu vereinen. Woran es absolut nichts zu kritisieren gibt. Wobei doch zu bemerken bleibt, dass Novembers Texte ein reichlich hohes Niveau niemals unterschreiten.

Sein Album startet musikalisch relativ wenig wagemutig, aber mit wunderbaren Melodien und Harmonien, entwickelt jedoch seinem Finale entgegen etliche Extravaganzen. Der Wechsel von den Spezialitäten zu den Delikatessen erfolgt von Titel 5 zu Titel 6, vom noch eher schmissigen „Heute lieber nein“ zum balladesk verträumten „Auf dem Mond brennt Licht“. Mit „Safari“ folgt ein afrikanisch infizierter Song, „Midas“ geriert sich wie eine Kampfansage an Westernhagens Pfefferminzprinzen, “Kavalier José“ verlegt Frankreichs Musik an die brasilianische Copacabana, und den zum Glück fast siebenminütigen Bonustrack „Heute nicht blamieren“ sollte sich Roger Cicero vielleicht mal anhören. Mit dem finalen „Traumprinz“ winkt uns zum Abschied der Poet mit der bunten Fahne und darf doch auch als Sound-Pionier gefeiert werden. „Hach, ist das schön“, sagte meine Freundin nach den letzten Noten. Ich nickte. Ging gar nicht anders.
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