I-fire

Salut!

10 Jahre im Dienst der Reggae-Unterhaltung, das muss gefeiert werden. Am besten mit einer ausgiebigen Tour und einem Album. I-Fire, das neunköpfige Hamburger Reggae- Kollektiv mit der Leichtigkeit des jamaikanischen Seins, hat sich über die Jahre den Status einer unwiderstehlichen Liveband erspielt. Wozu denn dann noch Platten machen? "Weil's Laune macht. Und damit's weiter geht." Also hat man sich daran gesetzt, das Jubiläum mit einem neuen, dem dritten Album zu feiern, und darauf geachtet, "dass die Songs auch live funktionieren. Weil live ein großer Faktor in unserem Band-Dasein ist."

I-fire
I-Fire arbeiten autark. Sie haben ihr eigenes Label und ihr eigenes Studio, hier sind die Songs in gemeinsamer Regie entstanden. "Jeder von uns hat musikalische Ambitionen. Alle arbeiten an Riddims, die einen mehr, andere weniger. Mal macht einer 'ne Vorproduktion und der Rest lässt sich darauf ein. Mal ist es nur eine Basis und entwickelt sich ganz anders. Es ist ein evolutionärer Prozess. Irgendwann setzt sich was durch." Durchgesetzt hat sich das, was das Publikum in Bewegung bringt. Überall, auch "In deiner Stadt." Mit einer fast schon klassischen Reggae-Fanfare begrüßt das neue Album und fordert "tanzen statt reden". Wie man es von I-Fire Konzerten gewohnt ist, lassen die Songs auf "Salut" kaum Zeit zum Ausruhen. Der protzige Titeltrack bringt auch den letzten Zweifler auf Linie und lässt nach seinem dubbigen Drum&Bass Finale niemand mehr los. Analoger, handgemachter Sound, opulente Bläser und Beats, die im Reggae "Riddim" heißen und auf die Mitte zielen, bestimmen die Tracks. Selbst in verlangsamten Rub-A-Dub Momenten wie bei "Kohle" oder kritischen Liedern wie "Sonnenfinsternis" oder "Wir stehen immer noch" regiert die positive Grundhaltung, "die fröhliche Attitüde mit ernstem Kern, die für uns Reggae ausmacht". Drei Mikrofonmänner transportieren die Bandhaltung und springen hin und her zwischen Gesang, jamaikanischem Deejay Style und deutschsprachigem HipHop. Die musikalischen Grenzen sind weit gefasst, aber es bleibt immer Reggae. Energie aus dem Offbeat, der die Hüften kreisen lässt.

In zwei Fällen haben sich I-Fire, die in der Regel allein produzieren, auf Kooperationen eingelassen. Zusammen mit dem Hamburger Produzenten Benni Dernhoff (bekannt ua. durch X-Factor oder "Diese Tage" des Revolverheld-Gitarristen KRIS) entstand "Zwischen Frühling und Herbst". Ein Lied mit Hitpotential, das sich Augen zwinkernd dem Sommer-Klischee verweigert und es trotzdem schafft, genau jener Jahreszeit ein Ständchen zu singen, die hierzulande allzu fahrlässig mit Reggae in Verbindung gebracht wird.

Und weil I-Fire am Ende eines jeden Konzertes gemeinsam mit dem Publikum "Dabadubade" singen, einen Track vom ersten Album "Vom Schatten ins Licht", erscheint dieser Song auf "Salut!" noch einmal in einer Version von Guido Craveiro, dem Kölner Keyboarder, der nach Police In Dub und Delle inzwischen bei Seeed gelandet ist. Was man seinem Remix durchaus anhört.

"Wir haben auf jeden Fall großen Spaß live zu spielen" sagen I-Fire. "Die Leute, die dabei sind, haben auch immer sehr viel Spaß." Für das, was demnächst bei den Konzerten abgeht, ist "Salut!" die perfekte Einstimmung. Für die, die dabei gewesen sein werden, eine bleibende Erinnerung. Und für die, die nicht gekommen sind, ein guter Grund sich zu ärgern, dass sie das verpasst haben.
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