Manfred Maurenbrecher

Rotes Tuch

Wie alle anderen Platten auch, ist "Rotes Tuch" nicht ein weiteres Maurenbrecher-Album und schon gar kein zweites "no go", der Vorgänger, der mit dem Preis der Deutschen Schallplattenkritik ausgezeichnet worden war. Das neue Album ist im besten Sinne als experimentell zu bezeichnen. Narrative Stücke, die ihre Magie in Atmosphäre und Text stecken, wechseln sich mit Liedern im klassischen Sinn ab, die Maurenbrecher jedoch angriffslustig mit ihrer einfacheren Existenz hadern lässt.

Manfred Maurenbrecher
Maurenbrecher zeigt sich als virtuoser Mann am Klavier, dem seine langjährige Band wieder ein kräftig knirschendes Parkett zimmert. Natürlich ist man allein schon wegen der ausgetüftelten inhaltlichen Beschäftigung mit Themen wie der Ukraine-Krise, prekären Arbeitsverhältnissen oder gewaltbereiten Jungs aus gutem Elternhause versucht, das Album als klug oder intelligent zu bezeichnen, liefert es damit jedoch nur einer anzunehmenden elitären Langeweile aus. Sein Impuls kommt viel eher aus der Hüfte, aus einer Bewegung heraus, die kein Selbstzweck ist, sondern eben die Aufmerksamkeit des Stiers will. Denn ja, "das Leben ist ein rotes Tuch" - oder kann, zumindest im Falle des Herrn Maurenbrecher, gar nichts anderes sein.

Auf dem Album befinden sich 15 Lieder mit einer Gesamtlaufzeit von 62 Minuten. Manfred Maurenbrecher dazu: "Bis zuletzt haben wir überlegt, ob wir etwas zurücknehmen, also irgendwelche Kandidaten aus dem Rennen werfen sollten. Aber warum? Die CD ist eine sterbende Kunstform - es mag viele überfordern, sich eine gute Stunde lang Musik mit Text in einem Rutsch anzuhören -, aber ich finde, diese Überforderung ist nichts Schlimmes. Sondern toll. Und gehört zu der Kunstform dazu."
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