Marvin Brooks

The Strongest Survive

Biografien über neue Musiker kreisen in aller Regel immer um einen Punkt: Was ist der „Unique Selling Point“ dieses Künstlers? Bei dem Deutsch-Ghanaer Marvin Brooks ist die gesamte Biografie voll von solchen USPs – und seine Musik jenseits aller Schubladen, das Ergebnis eines Lebenspfads, der aufregender nicht sein könnte.

Marvin Brooks
1987 wird Marvin in Deutschland geboren, sein Vater ist Deutscher, seine Mutter stammt aus Ghana. Schon im Alter von zwei Jahren liebt Marvin Musik. Das Haus ist voll davon, Marvin, der mit Zweitnamen Alexander heißt, erhält seine beiden Vornamen in Anlehnung an musikalische Idole der Familie: Marvin Gaye und Alexander O'Neill. Man sollte meinen, dass Marvin damit der Weg zur Profimusik buchstäblich in die Wiege gelegt wurde.

Doch zunächst kommt es anders. Marvin, der nach dem tragischen Drogen-Tod seines Vaters von der Mutter großgezogen wird, liebt die Musik, doch seine massive Statur erlaubt auch noch einen anderen Karriereweg: den als Profisportler. Marvin beginnt mit American Football, schnell steigt er auf zu einem der großen Talente dieses Sports in Deutschland, spielt in Berlin und Hamburg. Nebenbei rappt er, landet mit seiner ersten Truppe „am2pm“, die er gemeinsam mit dem Jugendfreund Adresse gründet, einen Plattenvertrag und geht mit 50 Cent auf Tour. Doch das Projekt zerbricht. Um seine Aggressionen abzubauen, beginnt Marvin mit dem Boxen. Schnell beweist sich auch hier sein Talent, ex-Profi Graciano „Rocky“ Rocchigiani bietet ihm eine Profikarriere an. Doch während der ersten ernsten Sparrings-Kämpfe spürt er, dass er nicht zum Boxer geboren ist. Er will seine Argumente und Überzeugungen musizierend vermitteln, nicht schlagend.

Erst jetzt entdeckt Marvin Brooks das Singen wieder für sich, das er schon als kleines Kind so gern tat. „Meine Musik hat sich genau in dem Moment verändert, als ich mich dazu entschied, einfach alles zu sagen, nichts mehr zurück zu halten, was in mir ist. Seitdem ich alles, was mich in dieser Welt interessiert, mit in meine Musik nehme, hat sie einen ganz neuen Drive bekommen.“ Zusammen mit seinem Produzenten George Brenner hat er sich über eine Zeitraum von zwei Jahren immer wieder im Studio verkrochen „und einfach gemacht, was kam – ohne dabei viel nachzudenken.“ Was man nun hört, ist ein einzigartiger Mix aus Soul, Pop, R'n'B, afrikanischen und karibischen Elementen, aus Wärme und Coolness, Nonchalance und Dringlichkeit. Es sind Songs, die von einem Leben und seinen Irrungen und Wirrungen erzählen, wie es nur die wenigsten kennen, verpackt in berührende Melodien und meinungsstarke Lyrics, die ebenso politisch wie persönlich sind.

Kaum beginnt er, seine neue Musik mit der Öffentlichkeit zu teilen, ist das Interesse enorm. Zahlreiche Stars entdecken sein besonderes Talent und ermöglichen ihm große Support-Shows, darunter J Cole, Ryan Leslie und Ellie Goulding. Im vergangenen Jahr produziert er ein Street-Video seiner Single „Unity“, das anschließend zu einem viralen Hit wird und bislang mehr als 12 Millionen Mal angesehen wurde – was die EP zur Single in die iTunes-Charts zahlreicher Länder katapultiert. Der Boden für sein nun im August erscheinendes Debüt-Album ist damit bereitet. Nur selten dürfte man einen Newcomer gehört haben, der mit einer solchen Reife und Souveränität bereits genau das gefunden hat, was ihn ausmacht und hervor hebt. Der „Unique Selling Point“ des Marvin Brooks ist also: Marvin Brooks. Und dies hört man in jeder gesungenen Zeile.
Links zum Artikel
Album erhältlich bei

Aktuelle Releases mit Video