Siena Root

A Dream Of Lasting Peace

"Swedish Root Rock Experience" nennt das Quintett Siena Root ihre Musik, und genau diese Erfahrung machen die Schweden ihren Hörern auf dem neuen Album "A Dream Of Lasting Peace" gekonnt schmackhaft.

Siena Root
Eine kompromisslose Mixtur aus kernigen Riffs, virtuosen Soli, wunderschönen Orgelklängen, treibenden Rhythmen und nicht zuletzt den emotionalen Vocals des neuen Sängers Samuel Björö, der den Sound der Band auf das nächste Qualitätslevel hebt. „Samuel stößt aus den tiefen Wäldern Nordschwedens zu uns“, erklärte die Band bei dessen Einstieg vor eineinhalb Jahren, „er ist total versessen darauf, diesen Ritt mit uns zu wagen.“

Die Schweden haben in der mittlerweile 15-jährigen Bandgeschichte stets versucht, etwas Neues auszuprobieren, über den eigenen Schatten zu springen und dabei kräftig zu experimentieren. So erklärt die Band um die Gründungsmitglieder Sam Riffer und Love Forsberg den Zugang zu den zehn neuen Songs, die auf „A Dream Of Lasting Peace“ zu hören sind, und die das gesamte musikalische Spektrum der Band abdecken – ohne Rücksicht auf Genrekonventionen zu legen. „Kreativer Stillstand ist für uns ein absolutes Tabu, geschuldet auch den zahlreichen Besetzungswechseln, die aber die Kreativität der Band immer gefördert haben“, wie die Mitglieder selbst erzählen.

Gegründet wurde Siena Root in den 90er Jahren in Stockholm, zunächst als Trio, ergänzt durch wechselnde Gastmusiker. Ihre erste Platte „A New Day Dawning“ erschien 2004 gleich als Doppelalbum. Es folgten in schöner Regelmäßigkeit die Studioalben „Kaleidoscope“ (2006), „Far From The Sun“ (2008), „Different Realities“ (2009). Nach einer längeren Pause, die von einem Live-Doppelalbum versüßt wurde, kam 2014 schließlich das gefeierte „Pioneers“ auf den Markt. Live-Konzerte sind das erklärte Lebenselixier der Band. Ihre Shows entwickeln sich oft zu wilden, improvisierten Jam-Sessions (zu hören vor allem auf ihrer 2011 erschienenen Live-Platte „Root Jam“), aus denen sie dann wiederum die Ideen für die Studioplatten zieht.

Für die Aufnahmen zu „A Dream Of Lasting Peace“ führte das Quintett nun alles zusammen, was es in den letzten Jahrzehnten gemeinsam entwickelt hatte. „Für uns war es wichtig, dass alles auf dem neuen Album zu einem Ganzen zusammenfließt, also Musik, Text, Artwork, einfach alles“, erzählt die Band. Zum ersten Mal sei es gelungen, ein solches Gesamtkunstwerk zu schaffen, „und darauf sind wir unheimlich stolz“. Der Arbeitsprozess unterschied sich dabei nicht grundlegend von dem, was Siena Root auf früheren Platten ausprobiert hatte, doch eine, für den Sound des Albums entscheidende Premiere gab es dennoch: Man begab sich für die endgültigen Aufnahmen für einige Wochen in die Silence Studios im schwedischen Ort Koppom, „einem legendären Ort mitten im Nichts“, wo man praktisch dazu gezwungen war, sich 24 Stunden lang nur mit der Musik auseinanderzusetzen. Außerdem verzichteten sie, was ungewöhnlich für Siena Root ist, bei den Aufnahmen vollkommen auf Gastmusiker, da sie aus der Isolation und dem Zusammenhörigkeitsgefühl heraus ihren puren, eigenen Root Rock-Sound erschaffen wollten. Zuvor hatte die Band bereits ein halbes Jahr an den neuen Stücken gefeilt, hielt sich jedoch die Möglichkeit wie gewohnt offen, im Studio spontane Jam-Sessions in die Aufnahmen einfließen zu lassen. Wichtig sei es vor allem gewesen, dem Hörer die Live-Atmosphäre der Aufnahmen zu vermitteln, was ihnen auf überragende Art und Weise geglückt ist.
Für Ablenkung sorgte dabei Bandkumpel (und Ex-Mitglied) Martin, der als Koch mitkam. Er versorgte die Musiker mit zwei warmen Mahlzeiten am Tag, die irgendwann zu wahren Festmahlen ausuferten und eine willkommene Abwechslung zu den intensiven Sessions boten. Kein Wunder also, dass Siena Root den Entstehungsprozess des Albums gerne mit kulinarischen Metaphern ausschmücken: „Wir haben insgesamt 18 Monate an den Songs gearbeitet. Einige Riffs waren vielleicht schon vorher in unseren Köpfen, aber im Grunde haben wir 2015 angefangen und, wie bei einem langsam vor sich hin köchelnden Essen, immer wieder daran gerührt.“ Dafür verwendete die Band wie üblich ausschließlich analoges Equipment. Nur für die finale Überspielung wurde zwangsläufig digitalisiert, nicht aber für die Vinyl-Ausgabe: „Wenn Du die Platte so hören willst, wie sie eigentlich klingen soll, musst Du Dir das Vinyl zulegen“. Auch das hat Tradition, schwören Siena Root doch von Anbeginn ihrer Karriere an auf die schwarze Rille. Bereits ihr Debütalbum erschien 2004 auf LP. Da lag der Vinyl-Boom noch in weiter Ferne, und es war für eine Newcomer-Band gar nicht so einfach, solch ein kostspieliges Release durchzudrücken.
Tatsächlich ist das neue Album das Vielfältigste in der Karriere von Siena Root geworden; die Band bewegt sich zwischen Harmonie, Experiment und Improvisationslust. Bereits die beiden Vorab-Singles „Tales Of Independence“ und „No Filters“ stellen das unter Beweis. Erstere besticht durch ein knochentrockenes Riff, pochendes Led-Zeppelin-Schlagzeug, extrovertierten Gesang und eine unwiderstehliche Hookline im Duett mit Erik Peterssons Orgel. „No Filters“ hingegen ist ein treibendes Rockstück, vorangetrieben von Matte Gustavssons ausdrucksstarkem Gitarrenspiel. Jazzige Momente wie das musikalisch filigrane Instrumental „Imaginarium“ haben ebenso ihren Platz auf der Platte wie der psychedelische Blues „The Piper Won’t Let You Stay“, oder der epische Gänsehaut-Track „The Echoes Unfold“, der das Album mit einer großen Geste beendet. Die zehn Songs bestechen durch ihre unglaubliche stilistische Vielfalt und den musikalischen Einfallsreichtum der Band.
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