Spain

Caroline

Der Winter ist hiermit endgültig vorbei. Wenn nicht meteorologisch, dann werden die Abende spätestens mit dem neuen Album von Spain mild und sommerlich.

Spain
Josh Haden ist nach zweijähriger Pause zurück und umarmt uns mit seiner Stimme und seinen Geschichten. Mit dem Album Carolina wendet er sich seiner persönlichen sowie seiner familiären Vergangenheit zu und lässt uns mit am großen Esstisch sitzen während er erzählt. „I wanted to get back to my musical family roots of country and of my dad who passed away two years ago. This is the first album I released since my dad died.” Charlie Haden war der bedeutendste Kontrabassist des 20. Jahrhundert und stilprägend für den Free-Jazz. Er verstarb im Juli 2014, wenige Wochen vor seinem 77. Geburtstag in Los Angeles. Joshs Vater war an den vorangegangenen Produktionen immer beteiligt, zum einen als Musiker zum anderen als Mentor: „If he doesn’t approve, I usually have to go back and fix the mixes.“
Spain hat uns schon einmal warten lassen. Nachdem die Band 1995 mit ihrem Debüt The Blue Moods Of Spain und ausgiebige Tourneen durch die USA, Australien und Europa eine internationale Fangemeinde aufgebaut hatte, folgten die Alben She Haunts My Dreams (1999) und I Believe (2001). Die Musik von Spain wurde Teil von Soundtracks von Filmen (The End Of Violence von Wim Wenders, 1997) und Serien (Six Feet Under, HBO 2003) und wurde unter anderen von Johnny Cash und den Red Hot Chili Peppers gecovert. Nach dem dritten Album wurde es für einige Jahre still um die Band, die das Genre Slowcore durch ihre eigene Interpretation von langsam mit prägten. Erst 2007 setzte Haden die Band mit neuen Mitgliedern wieder zusammen, 2012 folgte das neue und erste Album auf dem Glitterhouse Label The Soul Of Spain, 2013 die live Session The Morning Becomes Eclectic und 2014 das Studio-Album Sargent Place.
An den Aufnahmen für das neue Album Carolina sind nur eine Handvoll ausgewählter Musiker beteiligt gewesen. Kenny Lyon, ein Wandler zwischen den Genres, der in den letzten 40 Jahren als Session-, Studio- und Live-Musiker mit so unterschiedlichen Acts wie den Lemonheads, Bruce Springsteen, Sting, Joe Walsh oder NoFX zusammengespielt hat, bildet neben Haden selbst das wichtigste Element der Band. Er spielt zusätzlich zu den akustischen und elektrischen Gitarren auch Keyboard und Piano, Lap Steel, Pedal Steel und Banjo, die den Alt-Country und Americana Stil dieses Albums definieren. „On previous albums I felt I was writing and releasing too many music genres in the same project.“ Carolina ist dagegen konzentriert und straight-forward. “In other words, a little different from past Spain albums.” wie Haden selbst zugibt.
Kenny Lyon war ebenfalls für Produktion, Mix und Bearbeitung verantwortlich. Aufgenommen wurden die Stücke in seinem Studio in den Gaylord Apartments in Los Angeles. The Gaylord ist eines der historischsten Gebäude in Los Angeles. Hadens Vater sah Ornette Coleman in dem Club um die Ecke auftreten, Robert Kennedy wurde im Ambassador Hotel auf der gegenüberliegenden Straßenseite ermordet. Eine geschichtsträchtige Umgebung für ein rückblickendes Album.
Josh Haden steht mit beiden Beinen in der Gegenwart, schaut in seinen Texten jedoch zurück, auf das Leben seiner Verwandten während der Wirtschaftskrise in den 1930ern: „My grandfather was a very compassionate man but he was also very stoic and we never saw him cry, except when he told us grandkids about growing up during the Great Depression.“ Er berichtet von dem Farmington Minen Unglück 1968 aus der Sicht eines verschütteten Arbeiters. In diesem Lied One Last Look eröffnet die Violine, von seiner Schwester Petra Haden gespielt, die Weite des enger werdenden Raumes. In dem Stück Battle Of Saratoga, das die Traumreise eines heroinabhängigen Musikers erzählt, der in den späten 1960ern von einem Schneesturm in New York gefangen gehalten wird, gleicht die Violine einem unaufhaltsamen Funkenflug. Danny Frankel, gefragter und geschätzter Schlagzeuger und Perkussionist u.a. von John Cale, k.d. lang, Mark Eitzel, Laurie Anderson oder Marianne Faithfull, spielt dazu einen schnellen Marsch.
Josh Haden thematisiert auch seine eigene Vergangenheit. Station 2 besingt seine Kindheit in Malibu, zurückgelassene Freundschaften und eine verlorene Jugendliebe. Er tritt hinter die Musik zurück, damit wir alle gemeinsam oder alleine darin versinken können. Seine Stimme ist die leise brennende Flamme des Slowcore.
„ After all, those were the times, I’d give anything to go back and stare into her eyes.?There was a girl I left behind, I never forget Caroline.”
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