The Heavy

Sons

The Heavy machen auf ihren zehn neuen Songs keine Gefangenen, sondern liefern mit "Sons" eine Serie kleiner, intensiver Elektroschocks.

Album Cover

Erscheinungsdatum: 17.05.2019

Angefangen beim nach vorne gehenden Opener "Heavy For You" bis zum letzten musikalischen Atemzug auf dem erlösenden "Burn Bright". Zwischendurch gibt es jede Menge abwechslungsreiches Partyfutter mit dem atmosphärischen Film Noir-Drama "Fighting For The Same Thing", dem unwiderstehlichen Disco-Track "Put The Hurt On Me", dem feierlichen "Simple Things", dem gut geschmierten Glamrock-Song "A Whole Lot Of Love" und dem dringenden Ruf nach Geschlossenheit auf "Better As One". "Sons" könnte auch eine Greatest-Hits-Sammlung sein, auf der The Heavy all das vereinen, was sie zu einer der ungewöhnlichsten und eigenständigsten Bands innerhalb der britischen Musik macht.

"Unsere Philosophie ist, ein Mixtape aufzunehmen, dass du sofort deinem besten Kumpel vorspielen willst", erklärt Sänger Kelvin Swaby. "Diese Intention wollten wir auch auf der neuen Platte umsetzen, während wir gleichzeitig als Songwriter und Produzenten so viel besser geworden sind. Wir verstehen unsere Musik heute ein wenig besser. Trotzdem sind unsere frühen Sachen natürlich auch toll!" Und auch für Gitarrist Daniel Taylor war der Zweck des neuen Albums glasklar: "Ich will Musik machen, die sich die Leute im Auto bei durchgetretenem Gaspedal anhören."

Pure Vollgas-Energie, die "Sons" vom ersten bis zum letzten Ton prägt. Schon seit ihrem 2007er Albumdebüt "Great Vengeance And Furious Fire" bringen The Heavy ihr Publikum in Sekundenbruchteilen zum Ausrasten. Seitdem konnte das Quartett mit hart abgefeierten Stimmungshymnen wie "How You Like Me Now" und "Short Change Hero" jeweils 50 Millionen Streams generieren, während man den Festivalcrowds auf sämtlichen großen Open Airs von Glastonbury bis zum Coachella und zum japanischen Fuji Rock gezeigt hat, was eine echte Heavy-Harke ist. Unvergessen auch ihr großer Hit "Same Ol`" vom dritten Album "The Glorious Dead". Und auch in Filmen wie "Dallas Buyers Club", "The Big Short" oder Quentin Tarantinos "The Hateful Eight" waren die Songs von The Heavy zu hören. Doch nicht nur das: The Heavy repräsentierten die allererste Band, die in der renommierten "Late Night With David Letterman" um eine Zugabe gebeten wurden! Der berühmte TV-Host höchstpersönlich zählt ihre packende Version von "How You Like Me Now" zu seinen zehn Lieblingsauftritten in 35 Sendejahren.

Eine ziemlich beeindruckende History, die auf "Sons" zu einer 35-minütigen Achterbahnfahrt komprimiert wird. Mit ihrem neuen Album knüpfen The Heavy an den ungekünstelten Back-To-Basics-Spirit ihres 2016 erschienenen "Hurt & The Merciless"-Albums an. "Wir wollten uns wieder stärker auf die Dinge konzentrieren, die uns ganz am Anfang inspiriert haben", erinnert sich Daniel. "Anfänglich hatten wir eher einen Bedroom-Projekt-Charakter, statt eine richtige Band zu sein. Wir haben viele Samples benutzt. Der Song `Heavy For You` ist ein Wink in Richtung Beastie Boys und ihr Album `Check Your Head`. Ihre Art, Liveinstrumente und Programming zu kombinieren, hat uns am Anfang extrem beeinflusst." Kelvin bringt es auf einen Nenner: "The Heavy benutzen moderne Mittel, um sich ganz traditionell auszudrücken."

Das selbstreferenzielle "Heavy For You" entwickelte sich schon bald zum Motto des gesamten Albums. Entstanden aus einer langjährigen Instrumentalidee, präsentieren sich The Heavy nun als hochgradig ansteckend und mitreißend. "Ich habe die Idee komplett auseinandergenommen und nochmal neu zusammengesetzt", so Kelvin. "Der Song ging dann in Richtung George Clinton mit den Zeilen 'Are we too heavy for you? Am I too heavy for you?'. Er ist ziemlich zweideutig und handelt von Freunden, von Beziehungen und von Leuten, die grundlos auf irgendwelchen Social Media-Portalen oder YouTube beleidigend werden." Daniel ergänzt: "Der Song ist so ein Schlag ins Gesicht; es war ein logischer Schritt, ihn als Opener zu wählen."

Mit "Sons" legen The Heavy ihr erstes Album nach Kelvins Umzug aus dem heimischen Bath nach Florida vor, wohin es den Frontmann gemeinsam mit seiner Frau Hannah kurz nach dem Release von "Hurt & The Merciless" verschlagen hat. "Hannah kommt ursprünglich aus Santa Fe und kam mit dem britischen Winter nicht zurecht", lacht Kelvin. "Wir haben ein paar Testversuche gestartet, ob die Arbeit mit der Band auch von Florida aus klappt - und siehe da: Es lief alles super! Ich liebe die Arbeit in meinem kleinen Studio in Florida, kehre aber alle sechs bis acht Wochen zurück, um gemeinsam mit den Jungs zu spielen. Sperr´ uns Vier in einen Raum und magische Dinge passieren!"

Bevor man sich zu ersten Proben für das Album traf, tauschten Kelvin und Daniel ihre Songideen per Email aus, die sie dann an Bassist Spencer Page und Drummer Chris Ellul weiterschickten. Nachdem die Band den Vorgänger "Hurt & The Merciless" komplett im Alleingang produzierte, holte man sich diesmal wieder Paul Corkett (The Cure, Biffy Clyro, Placebo) als Co-Producer an Bord, der ebenfalls schon bei "The Glorious Dead" hinter den Reglern stand. "Wir wollten uns auf neutralem Boden treffen und eine dritte Meinung hören", erklärt der nachdenkliche Daniel. "Paul ist jemand, den wir alle mögen und vertrauen."

Eine Entscheidung, die sich hörbar bewährt hat: So ging die Idee, auf "Put The Hurt On Me" ein Weinglas als Percussioninstrument zu nutzen, auf Pauls und Chris` Vorschlag zurück. "Eigentlich wollten wir eine Kuhglocke, doch leider fand sich so schnell keine", so Daniel weiter. "Ich war mir erst nicht sicher, ob man wirklich ein Weinglas nehmen sollte. Wie sich aber herausstellte, klingt ein großes Weinglas genauso wie eine Kuhglocke, wenn man sie nur richtig spielt". Spontanität und Energie, die sich auf "Sons" zu einer kraftvollen Einheit verbinden. "`Sons` ist echt in your face. Die Stücke entstanden ganz natürlich, ohne dass wir lange versuchen mussten, auf den Punkt zu kommen. Bäm, bäm, bäm. Direkt auf die Zwölf!"

So kompakt das Album in sich auch ist, lassen sich The Heavy trotzdem jede Menge Freiraum für feine Nuancen. Das an die Scheiben des legendären Soul-Labels Stax Records erinnernde "Better As One" transportiert eine ebenso simple, wie auch kraftvolle Botschaft: Zeilen wie "I know that we can do better, I know we're better as one" wurden nach den tödlichen Ereignissen der rechtsextremen Protestkundgebung in Charlottesville im Jahr 2017 geschrieben und hallen heute in den momentanen Befindlichkeiten rund um den bevorstehenden Brexit nach. "Der Text floß nach dem Vorfall in Charlottesville nur so aus mir heraus", erinnert sich Kelvin. "Ich brauchte nur drei Takes, bis der Gesang im Kasten war. Autoritäre Politiker feiern die Spaltung der Gesellschaft, doch unser Zusammenhalt kann jeden noch so tiefen Graben überwinden. Wenn wir nicht aufpassen, werden diese politischen Kräfte immer weiter machen. Und irgendwann sind wir dann so richtig gefickt!"

Ein wenig mehr Optimismus herrscht dagegen auf dem Wahwah-Gitarren getriebenen Funk von "Simple Things", wie der dreifache Vater fortfährt. "Eigentlich schreibe ich gerne über etwas dunkleres Zeug; was das angeht, habe ich unendlich viele Sachen aus meinem Leben zu erzählen", lacht Kelvin. "Aber in `Simple Things` geht es um einen Punkt im Leben, an dem einfach alles wunderbar ist. Man tritt einen Schritt zurück und versucht, das alles zu verinnerlichen und gelangt zu der Erkenntnis, dass man gar nichts anderes mehr braucht. Heute kann ich verstehen, was es bedeutet, ein sprichwörtlich einfaches Leben zu führen." Zur Erklärung des ironischen Beziehungsdramas "The Thief" muss Daniel ein wenig weiter ausholen. "Ich weiß immer noch nicht, woher meine Songs eigentlich kommen. Und um ehrlich zu sein, will ich das auch gar nicht wissen. Ich bin kein perfekter Musiker, aber ich fühle mich in dieser Welt sehr wohl. Wenn ich Songs schreibe, höre ich mir die Demos wieder und wieder an; leider treibe ich meine Frau dabei jedesmal in den Wahnsinn. Doch diese Arbeitsweise ist in meinen Augen ziemlich erfüllend. `The Thief` ist so ein Beispiel. Ich bin heilfroh, dass ich diesen Beruf ausüben darf. Seit ich 14 bin, habe ich nichts anderes als Musik gemacht. Ich wäre wohl überall auf der Welt schwer vermittelbar und würde keinen anderen Job finden."

Auch wenn die Mitglieder von The Heavy nicht wirklich mit beiden Beinen im tristen Alltag verwurzelt sind, so bieten sie den Hörern mit ihren Songs immer wieder gerne genommene Fluchtwege aus der Realität. Neben ihrer unzügelbaren Energie strotzen die Stücke vor cineastischem Kopfkino-Feeling, das bisher zu unzähligen Einsätzen in diversen TV-Serien wie "Suits", "The Vampire Diaries", "True Blood" und anderen geführt hat. Außerdem waren The Heavy in zahlreichen hochkarätigen Werbespots zu hören, darunter der preisgekürte "Sapeurs"-Spot von Guinness mit "What Makes A Good Man", Nikes epischer Sechsminüter inklusive einem Cameo von Cristiano Ronaldo mit "Turn Up" oder ein für das japanische Fernsehen produzierter Spot von Pepsi, in dem Jude Law zu Klängen von "Same Ol`" zu sehen war. Für die TV-Kampagne von Jaguar spielten The Heavy sogar einen eigenen Song ein, während eine Kollaboration mit Rapper 50 Cent als Soundtrack für die Berichterstattung zur NFL-Liga auf ESPN genutzt wurde.

"Die meisten Leute lernen uns nur unterbewußt kennen", so Daniel. "Wir nutzen die Musik in einer sehr modernen Weise. Die Menschen kommen durch die Songs in TV, Filmen und Spielen mit unserer Musik in Kontakt. Ich bin ein großer Liverpool-Fan, dementsprechend war das Ronaldo-Ding für mich keine große Sache. Aber Spence` Herz schlägt für Manchester United; er ist immer noch völlig geflasht von der Tatsache, dass The Heavy mit Ronaldo assoziiert werden!"

Erstmalig sind die Gesichter von The Heavy auf dem Frontcover von "Sons" zu sehen, auf dem Dan Kendall die besondere Gang-Mentalität der Band einfangen konnte. "Daniel und Chris haben beide das gleiche Foto zu Hause stehen", verrät Kelvin. "In Paris haben wir eine von diesen wirklich magischen Shows gespielt. Ein absoluter Abriss! Wir haben den ganzen Club zerlegt und sind danach ein wenig feiern gegangen. Nach ein paar Drinks stolperten wir in diese Fotobox und nahmen ein gemeinsames Foto auf. Man kann deutlich sehen, wie happy wir sind. Dieses Gefühl wollten wir auf dem Albumcover nachempfinden. Dan hat es mit seiner Aufnahme tatsächlich geschafft. Daniel sagt, das Foto verkörpert exakt, wie sich das Album anhört." Und auch der Gitarrist ergänzt: "Wir hatten ein paar wirklich langatmige Vorschläge für verschiedene Albumtitel. Irgendwo sah ich das Wort `Sons` geschrieben und wußte sofort: Das ist es. Genau wie die Platte ist es kurz und knapp und nicht zu verkopft."

Ein schnörkelloses Werk, das schon bald während der energetischen Liveshows abgefeiert werden wird. "Üblicherweise stellt sich schon bei den Proben raus, was live gut funktioniert", so Kelvin. "Diese Scheibe zündet von vorne bis hinten. Jeder einzelne Song hat das Zeug zum Live-Kracher; außerdem harmonieren sie perfekt mit unseren alten Songs. Ich ahne schon, dass ich eine Menge Pfunde verlieren werde, wenn wir die Tracks bei den Shows performen. Als hätte sich das ganze Album ganz eigenständig komponiert, damit wir es live spielen. Ich bin schon extrem aufgeregt!"
John Earls
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