NEWS vom 20.01.2017 | dasFachblatt.de

Eric Gales galt schon früh als die Wiedergeburt von Jimi Hendrix

Sein Debütalbum veröffentlichte er als 16jähriger 1991 unter dem Namen bei Elektra Records. Es war das erste von zehn Alben bei einem Majorlabel; insgesamt erschienen „The Eric Gales Band“ bislang 14 Studioalben unter seinem Namen. Zudem arbeitete er mit zahlreichen weiteren Künstlern zusammen. Eine dieser Kooperationen führte ihn zu Produzent Fabrizio Grossi (Alice Cooper, Joe Bonamassa, Billy F. Gibbons, Ice T, Leslie West, Slash, Walter Trout, Steve Lukather, Steve Vai, Paul Stanley, Supersonic Blues Machine).
Das neue Album des in Memphis geborenen Gitarristen Eric Gales erscheint am 24.02.2017.

Grossi schwärmt über die Arbeit mit Gales: „Ich bin Fan von ihm, seit ich vor 15 Jahren zum ersten Mal für ein Projekt von George Clinton & The P.Funk mit ihm arbeitete. Sein Gitarrenspiel ist absoluter Wahnsinn! Persönlich und musikalisch entwickelte sich Eric zu einem wahren Monster – im positiven Sinne. Auf seine Karriere bezogen pflegt er diese „Keine Gefangenen“-Attitüde und ich kenne nur wenige Musiker, die mit solch einem Talent gesegnet sind. Ich hoffe, die Fans werden das Album lieben. Es stecken viel Liebe, Tränen, Schweiß und Wahrheit darin, das ist der Stoff, aus dem Klassiker gemacht werden. Meiner Meinung nach ist Eric das Wunschkind von Miles Davis und Jimi Hendrix.“

„Middle Of The Road“ wurde in verschiedenen Studios aufgenommen, darunter das Room A Studio und Fab’s Lab in Nord-Hollywood, das Cuz Studio, das Sound in Cleveland sowie das ‘Cotton Row Studios in Memphis. Unterstützt wurde Eric von Aaron Haggerty (Schlagzeug), Dylan Wiggins (B3 Orgel), LaDonna Gales (Backgroundgesang) und Maxwell “Wizard” Drummey (Melotron). Gitarre und Bass spielte das Naturtalent selbst ein und steuerte auch den Leadgesang bei. „Das Album ist ein wunderschöner Schnappschuss meines jetzigen Lebens.“, strahlt Gales. „Im Herzen bin ich Bassist und Fabrizio ermunterte mich dazu, auch auf dem Album Bass zu spielen. Es fühlte sich sehr natürlich an. Ich liebte es.“

Gales wuchs in einem religiösen Haushalt auf. Seine Brüder hörten Jimi Hendrix, Cream, Muddy Waters, Blue Cheer, Albert King, John Lee Hooker, King’s X und Stevie Ray Vaughan. Während ihre Mutter zur Kirche ging, saugte der kleine Eric im Alter von nur vier Jahren jeden Ton auf, den er hören konnte – daher stammt auch sein unglaubliches Fundament aus Blues, Hard Rock und Psychedelic. Gales ist eigentlich Rechtshänder, sein unverwechselbares Spiel mit der linken Hand schaute er sich von seinen älteren Brüdern Eugene und Little Jimmy King ab. Ersterer ist für ihn bis heute sein Mentor, letzterer wurde später Albert Kings Patenkind.

Als gefeierter Gitarrist spielte er bereits 1994 mit Carlos Santana auf dem Woodstock Festival. 2016 trat er mit Zakk Wylde und Eric Johnson auf, die bereits auf dem 2014 erschienenen „Good For Sumthin‘“ zu hören sind. Er war außerdem Teil der „Experience Hendrix“-Tour mit Legenden wie Bootsy Collins & Robert Randolph. Weiter veröffentlichte er zwei Alben mit dUg Pinnick (Kings X) & Thomas Pridgen (Mars Volta) und arbeitete mit Hip Hop Gruppen wie Prophet House und Triple 3 Mafia zusammen.

Während der „Experience Hendrix“-Tour hatte er die Möglichkeit sich gegen einige der größten Gitarristen der Welt zu behaupten. „Diese Touren waren eine großartige Erfahrung für mich. Sie halfen mir vor allem, wieder zu mir selbst zu finden. Ich verlange mir selbst alles ab was möglich ist und das ist vor allem live sehr anstrengend. Es fühlt sich an, als würde eine fremde Macht meinen Körper übernehmen. Physisch bin ich zwar da, doch mental eine völlig andere Person.“

In den vergangenen Jahren wurde Eric Gales von vielen bekannten Musikern in den höchsten Tönen gelobt: Dave Navarro (Jane’s Addiction, Red Hot Chili Peppers) ist es ein absolutes Rätsel, warum Gales nicht als der größte Rockgitarrist gehandelt wird. Bluesikone Joe Bonamassa schwärmt: „Einer der besten, wenn nicht der beste Gitarrist der Welt.“ Mark Tremonti (Alter Bridge) gibt in einem Interview anerkennend zu: „Myles Kennedy und ich sahen uns im Tourbus einige Videos an, bis wir über Eric Gales stolperten. Wir sahen uns an und sagten: ‚Dieser Typ könnte der beste Gitarrist der Welt sein!‘“

Gales freut sich über das Lob und fügt bescheiden hinzu: „Ich bin so dankbar für die Anerkennung meiner Arbeit und dafür, dass Gott mir eine zweite Chance gegeben hat. Er hat mir erlaubt, mich weiterzuentwickeln.“
Er spielt damit auf ein dunkles Kapitel seiner Vergangenheit an: 2009 saß Gales wegen Drogen- und Waffenbesitzes eine Gefängnisstrafe im Shelby County Correction Center ab. „Während ich dort eingesperrt war, sagten die Aufseher zu mir ‚Bro, Du solltest nicht hier sein. Wenn Du hier rauskommst, pack‘ die Welt bei den Hörnern und reite auf Ihr davon.‘ Es hat einige Jahre gedauert, doch nun bin ich hier.“
Während seiner Haft durfte er Shows für den Bürgermeister, die Stadt und auf verschiedenen Festivals spielen. Gales erlebte seine persönliche Version von Johnny Cashs „Walk The Line.“

„Middle Of The Road“ ist so etwas wie Eric Gales Wiedergeburt. Fast alle Songs sind autobiographisch und viele der Gastkünstler stehen ihm persönlich sehr nahe: Lauryn Hill, Gary Clark Jr, Eugene Gales, LaDonna Gales, Lance Lopez, Raphael Saadiq und Christone „Kingfish“ Ingram. So nimmt Gales die Zuhörer mit auf eine ganz persönliche Reise.

„‘Good Times‘ handelt davon, eine gute Zeit im Leben zu haben und den Moment zu genießen. Egal ob im Urlaub, im Alltag oder bei was immer Du auch tust. Es ist universal und in Dir drin.“, fasst er den Opener zusammen.

„Change In Me (The Rebirth)“ hingegen ist einer der vielen herzergreifenden Stücke des Albums. „Ich habe eine zweite Chance in meinem Leben bekommen und einen komplett neuen Weg eingeschlagen. Der Song hat etwas Heilendes und Energetisierendes an sich.“ Mehr muss Gales nicht erklären, denn die Texte sprechen für sich: „Hey everybody, , I’m finally doin’ like I should y’all, I got tired of doin’ bad, Now I’m doin’ good, I’m very motivated, U could say I’m on my game, One thing that I know, Things will never be the same.” Und weiter: “I know you’ve got your doubts, I’m know what all y’all thinkin’ of, put me to a test y’all, and I’ll surely rise above.”

“Carry Yourself” schrieb er mit seinem Freund und langjährigen Kollegen Raphael Saadiq (Mary J. Blige, Q-Tip, Solange, D’Angelo, Stevie Wonder, Alicia Keys) sowie seiner Frau LaDonna Gales. „Ich singe davon, wie LaDonna und ich uns zum ersten Mal trafen und kennenlernten. Sie hat bis heute etwas an sich, das mich fasziniert. Ich hatte den Titel im Kopf und Raphael half mir beim Texten."

Das einzige Cover auf „Middle Of The Road“ ist Freddie Kings „Boogie Man feat. Gary Clark Jr. „Ich bin seit der ersten Stunde Fan von Freddie und liebte den Song schon im Original. Erstaunlicherweise habe ich erst in letzter Zeit wirklich realisiert, von was der Song eigentlich handelt. Ich sang ihn spaßeshalber vor mich hin, bis meine Frau plötzlich sagte ‚Baby, Du bist der Boogie Man!“ Ich wusste bis dahin nicht wirklich, was einen ‚Boogie Man‘ ausmacht und das machte es natürlich noch cooler. Mit Gary Clark Jr. Verschmolz dann schließlich alles zu einer wunderbaren Mischung.“

Über die Arbeit mit dem Grammygewinner schwärmt Gales: „Wir trafen uns auf seiner Tour in North Carolina. Ich erzählte ihm von meinem neuen Album und spielte ihm Freddies Original vor. Dann fragte ich ihn, ob er sich einen Gastauftritt bei meinem Cover vorstellen könnte. Er war sofort Feuer und Flamme und ich glaube, wir haben da einen wirklich guten Job gemacht. Der Boogie Man ist frei, also passt gut auf Euch auf. Da draußen ist ein wirklich böser Junge unterwegs und er wird zu Euch kommen!“, lacht er.

Für Gales ist es besonders wichtig, Cover auf seine ganz eigene Art zu interpretieren. „Mir fällt es sehr schwer, einen Song einfach nur so nachzuspielen. Man muss ihm seinen eigenen Stempel aufdrücken, schließlich hat er Dich zu dem inspiriert, was Du heute bist. Also hebe ihn auf ein neues Level und zeige der Welt, wie Du Dich weiterentwickelt hast.“

„Been So Long“ ist ein weiteres Beispiel dafür, dass Gales kein Blatt mehr vor den Mund nimmt und sich völlig offenbart. „Ursprünglich lautete der Titel ‚It’s Been Too Long‘ – es hat zu lange gedauert, bis ich mir selbst eine Chance gab um wieder aufzublühen. Ich startete meine Karriere 1991, doch erst jetzt habe ich wieder einen freien Kopf für mich und

meine Musik. Ich durchlebte einige harte Zeiten und verleugnete mich selbst. Das werde ich nie wieder tun, diesen Teil habe ich hinter mir gelassen.
Als ich Lauryn Hill den Rhythmus zu ‚Been So Long‘ schickte, sagte sie sofort ‚Das ist heiß!‘ Ich beschrieb ihr, wie ich mir den Song ungefähr vorstellte: dass es lange her gewesen sei, dass ich in meinem Leben eine richtige Chance bekommen hätte. Durch ihre Mithilfe wurde der Song zu etwas ganz Besonderem. Sie ist eine großartige Künstlerin und es war eine wundervolle Zusammenarbeit.“
Hill und der 42-järhige tourten bereits 2013 zusammen und performten 2015 in der „Tonight Show“ gemeinsam Nina Simones Klassiker „Feeling Good“.

„Help Yourself“ schrieb Gales mit dem texanischen Bluesgitarristen Lance Lopez (Super Sonic Blues Machine). „Ich wollte, dass der Song eine positive Botschaft enthält, nämlich, dass Du Dir erst selbst helfen musst bevor Du anderen helfen kannst. “‘I’ve been down so long, down in this misery, yeah yeah, now I’m on my knees, beggin’ somebody come rescue me, lord have mercy, ain’t nobody help you, until you ready to help yourself’ – ich bin derjenige, der um diese Rettung bettelt. Stattdessen hätte ich in den Spiegel schauen und zu mir sagen sollen ‚Hilf Dir selbst!‘ Das gilt für alle Menschen auf der Welt.“
Auf „Help Yourself“ ist außerdem Christone ‚Kingfish‘ Ingram, die erst 16-järhige Gitarrensensation aus Mississippi, zu hören. „Ich bin wirklich begeistert von diesem jungen Kerl. In diesem Alter haben wir beide ähnliche Dinge erlebt. Außerdem geht er auf die gleiche Schule wie ich früher. Christone spielt gerade aus sich heraus und ich bin sehr stolz auf ihn. Er sagte mir, ich hätte ihn sehr beeinflusst, also wollte ich ihm eine Chance geben und mein Zepter an ihn überreichen. Es ist eine großartige Möglichkeit für ihn.“

„I’ve Been Deceived“ hat hingegen eine vielschichtigere Bedeutung. „Ich erzähle davon, wie ich von den Drogen und meiner Sucht hereingelegt wurde.“, gesteht der Gitarrist. „Zuerst war es cool, wie ein guter Freund. Doch nach einer Weile ging es mir schlechter und schlechter. Dieser Betrug kann Dich jedoch auch in jeder anderen Situation des Lebens treffen, zum Beispiel in einer Beziehung oder wenn man eine Art Dr. Jekyll und Mr. Hyde-Leben führt. Ich ließ auch zu, dass andere Menschen mich betrügen. Die Sucht vernebelte meine Gedanken und so dachte ich, dass es sowieso keine Rolle spielte, was mit mir passiert. Dass ich mir dessen jetzt bewusst bin, hat eine unglaubliche Energie in mir freigesetzt, die man auch hört.“

Auf „Repetition“ kehrt Gales zu seinen Wurzeln zurück: zu seinem älteren Bruder und Mentor Eugene. „Ich war so glücklich, endlich wieder mit ihm zusammen zu arbeiten. Eugene schrieb den Song nachdem ich ihm erzählte, dass meine Gedanken darum kreisten, ob sich die schlechten Dinge in meinem Leben wiederholen könnten. Es war wunderbar, ihn zurückzuhaben. Wir taten was wir wollten, wie in unseren Kindertagen.“

„Help Me Let Go“ schrieb er gemeinsam mit einem Musiktherapeuten. „Ich zog mich für einig Zeit an einen ruhigen Ort zurück, um mehr über mich selbst herauszufinden. Dort lernte ich den Therapeuten kennen. Er saß am Klavier, ich hielt meine Akustikgitarren in der Hand und plötzlich begannen auch die Texte zu fließen. Es ist ein wunderschönes Stück geworden. Viele Menschen klammern sich in ihrem Leben an bestimmte Dinge und können nicht loslassen. Doch wenn Du das einmal geschafft hast, fühlst Du Dich freier als je zuvor.“

„Viele Leute trauen sich nicht, einfach ‚I don’t know‘ zu sagen, wenn sie die Antwort auf etwas suchen und nicht finden. Habt keine Angst davor, tut es einfach. Es ist ganz leicht. Es gibt nichts im Leben, vor dem man Angst haben sollte. Als ich jung war, gab es nur eine Sache, vor der ich mich fürchtete: ehrlich zu mir selbst zu sein. Es ist nichts Falsches daran, ‚ich weiß es nicht‘ zu sagen.“

Der Nachfolger des 2013 erschienenen „Ghost Notes“ endet mit dem euphorischen Instrumental „Swamp“. „Das ist mein Lieblingssong! Es ist ein Mix aus jammen und Kirchenmusik, also im Wesentlichen das, was Ihr jeden Sonntag während unseres Gottesdienstes hört. Wenn die Leute spirituell geöffnet sind und diese Riffs hören, beginnen sie zu kreischen und im ganzen Raum zu tanzen. Das ist unglaublich und so wundervoll zuzusehen. Dieses Gefühl wollte ich in das Stück einfließen lassen.“

„Dieses Album wird mich überall dahin bringen, wo ich noch nie war und überall dort, wo ich noch hingehen möchte.“