Le Fly - St. Pauli Tanzmusik lässt bitten

Seit nunmehr einem Jahrzehnt rollt die Le Fly-Maschine unaufhaltsam durch das Land und bringt den Menschen gute Gefühle - egal ob HipHop-Veteran, Hardcore-Kid, Rasta-Zopf oder Indie-Mädchen. Mit "St. Pauli Tanzmusik" und "Grüß dich doch erstmal!" brachten sie bislang zwei weithin beachtete Alben-Bretter in schönster DIY-Manier unter die meist bebende Fan-Meute.

Le Fly -  St. Pauli Tanzmusik lässt bitten
Die Le Fly - Eckis sind nicht nur Hamburger, sondern St. Paulianer - was übersetzt bedeutet: Mach und leb' wie du willst, wir lieben dich trotzdem. Denn nur dort, wo die guten Emotionen wohnen, findet sich auch innere Zufriedenheit. Daran glauben Le Fly und leben das in jedem Ton ihrer brodelnden Musik, in der sich grob geschätzt mehr als ein halbes Dutzend gegensätzlicher Genres zu einem Sound vermengen, der letztlich nur eine betreffende Beschreibung zulässt: St. Pauli Tanzmusik.

Album Cover: Kopf aus Fuß anNun steht für den 27. Oktober das dritte Werk "Kopf aus Fuß an" auf dem Zettel ihrer Eroberung des nationalen Lustzentrums, das sich in Feeling und Gesamtästhetik von den beiden Vorgängern in einigen Facetten abhebt. Denn auch, wenn Le Fly noch immer alles locker wegrocken, hat sich der tatsächliche Gitarrenanteil auf "Kopf aus Fuß an" deutlich reduziert. Das liegt sicher an der Rap- und Reggae-Expertise ihres neuen Produzenten, Jan Günther - ein langjähriger Freund und Vertrauter, mit dessen ehemaliger Band Die Rakede Le Fly mehrfach tourten - aber auch an dem Umstand, dass sich Rapper Schmiddlfinga diesmal auch musikalisch mehr ins Spiel brachte. Noch immer geht natürlich alles zwischen Herzattacken-Ska und nachdenklichem Poetry-Rap, noch immer wird jeder Song automatisch zu einer inneren Hüpfburg guter Laune - doch das Le Fly-typische Genre-Multikulti wurde verdichtet zu einer friedvollen Koexistenz der Stile.

Auch textlich: Le Fly sind keine politische Band, aber man kann trotzdem stets eine Verbindung aufbauen und sich schmunzelnd über so manche gesellschaftliche Süffisanz mokieren. Ein schönes Exempel gibt die erste Vorab-Single "Superstars", einer von drei bereits jetzt veröffentlichten Songs. In einem Bett aus extrem lässig aus der Hüfte groovendem Hip-Funk wird der weit verbreitete Hang zur penetranten Selbstveräußerung seziert, diese Sucht nach dem Instant-Ruhm der Likes und Follower, die Bedeutung verheißen, wo doch letztlich gar nichts ist. Mit der hübschen Einsicht, dass man gern nur allzu leicht selber in diese Aufmerksamkeits-Fallen tappt und am großen Rad der Selbstdarstellung dreht. Das knackige Video zum Song, ein buntes Animationsstück zu den schrillen Headlines der Sensationspresse, wurde konzeptioniert und umgesetzt von Tricky Hamburg; nachdem einmal die Grundidee existierte, grub man sich durch die hauseigenen Le Fly-Archive und schuf einen so bewegten wie bewegenden fiktionalen Pressespiegel der Band-Großtaten. Hey: Bei derart schöner Selbstironie darf man auch mal so richtig fest aufs Mehl dreschen.

Le Fly veröffentlichen ihr neues Album "Kopf aus Fuß an" am 27.10.2017!