NEWS vom 15.04.2014 | dasFachblatt.de

Parlophone Records hat Morrisseys Studio-Album, "Vauxhall And I" remastered

Nach “Your Arsenal” veröffentlichen Parlophone Records nun auch MORRISSEYs viertes Studio-Album, Vauxhall And I als 20th Anniversary Definitive Master! Als absolut außergewöhnliches Werk katapultierte es sich im Veröffentlichungsjahr 1995 auf Platz 1 der UK-Charts und in die US-Top 20. Die Single “The More You Ingore Me, The Closer I Get” erreichte die UK-Top-10 (als einzige MORRISSEY-Single in den Neunzigern) und Position 46 in den US-Billboard-Charts!

Parlophone Records hat Morrisseys Studio-Album, "Vauxhall And I" remastered
Bis heute sind die meisten Fans sich einig, dass “Vauxhall And I” MORRISSEYs bestes Album ist. Anders als auf dem gitarrenbefeuerten und rauen Studio-Vorgänger “Your Arsenal”, schuf MORRISSEY mit seinen beiden neuen Co-Songwritern Alain Whyte und Boz Boorer ein makelloses Pop-Album mit brillanten und melodischen Songs, exquisiten Arrangements und eher lieblichen Melodien – mit die besten, die er je aufgenommen hat.
“Vauxhall And I” kann durchaus als Befreiungsschlag betrachtet werden: Nach Jahren der Frustration über die Fehlinterpretationen seiner Songs und seiner Ästhetik, und nachdem er einige seiner engsten Vertrauten verloren hatte, darunter Mick Ronson, der “Your Arsenal” produziert hatte, gelang es MORRISSEY, auf “Vauxhall And I” mit sich selbst ins Reine zu kommen. Dementsprechend gibt es deutliche Anzeichen dafür, dass der damalige Mittdreißiger begann, die Tyrannei verstreichender Zeit und das eigene Älterwerden zu akzeptieren. Vielmehr schüttelte er die Schatten seiner Vergangenheit ab und entwickelte einen neuen Willen, die Zukunft willkommen zu heißen.

Eine ganze Reihe von Charakteren begegnet dem Hörer auf “VAUXHALL AND I”, etwa eine Reverenz an Graham Greenes Roman Brighton Rock aus dem Jahr 1938 auf dem hervorragenden Opener “Now My Heart Is Full”. Es sind auch wieder die Ausgestoßenen und diejenigen, die sich gegen gesellschaftliche Konventionen stellen, die als Protagonisten in seinen Songs auftauchen. Jene, die „das Leben in fünffachem Tempo nehmen“ (Spring-Heeled Jim), und die zurückgewiesenen Romantiker in Billy Budd – eine Figur aus dem letzten Werk Herman Melvilles. In “The Lazy Sunbathers” attackiert MORRISSEY die ignoranten und selbstsüchtigen Urlauber, die “übersättigt von Stagnation” sind, in “Why Don’t You Find Out For Yourself” (später von The Killers gecovert) geht es gegen jene, die sich weigern zu denken und Dinge zu hinterfragen, und “Used To Be A Sweet Boy” streift unter anderem das Thema der verlorenen Unschuld.

Die erste Single des Albums, “The More You Ignore Me, The Closer I Get”, überzeugt mit einem absouten Killer-Riff und MORRISSEYs wahrscheinlich besten Lyrics, insbesondere dem sehr wahren und urkomischen Zweizeiler “Beware I bear more grudges/than lonely High Court judges.” (Hüte dich, denn ich trage mehr Groll in mir / als die einsamen Richter am Obersten Gerichtshof). Einmal mehr bewies MORRISSEY, dass er mit dem Stift unübertroffen und schärfer als ein Rasiermesser sein kann, wenn es darum geht, das Establishment bloßzustellen.

Der vermutlich unheimlichste Moment auf dem Album ist das schauerlich geflüsterte “Lifeguard Sleeping, Girl Drowning”, eine traurige und doch vollkommen unsentimentale Geschichte einer Zurückweisung. Dagegen ist der wohl aufwühlendste Song der Album-Closer “Speedway”. Vom Aufheulen des Motors zu Beginn schiebt und brennt sich der Song durch eine Litanei von Trotz und Vieldeutigkeit und schließt somit eines der besten Alben ab, die jemals ein perfektes Statement des Überlebens gegen alle Widerstände abgaben.
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