Silverpark – Endless Sleep

Ende September veröffentlicht Silverpark-Mastermind Claus Lehner sein zweites Album: „Endless Sleep“ – mit Unterstützung von Jazz-Legende Al Di Meola und Ex-Supertramp Richard Palmer James.

Silverpark – Endless Sleep
Fotocredit: Ulli Schell
Gut Ding will Weile haben. Das gilt auch für das Münchner Folk-Projekt Silverpark um Singer/Songwriter Claus Lehner. Seit dem hochgelobten Silverpark-Debüt sind nunmehr acht Jahre ins Land gegangen. Eine Zeit, die Lehner & Co hörbar für die Verfeinerung ihres melodischen, stets von einer melancholischen Note geprägten Sounds genutzt haben.
Auch wenn sich auf „Endless Sleep“ erneut Songwriter-Fürst Leonard Cohen als wichtige Inspirationsquelle ausmachen lässt, hat die hochkarätige Folk-Band längst zur eigenen Klangfärbung gefunden: Roots-Folk in Kombination mit rockigen und bluesigen Elementen und angesagten Sounds und Arrangements. Gleichzeitig retro und hip – und damit von zeitloser Qualität.

Dafür steht auf „Endless Sleep“ – neben Frontman Claus Lehner – auch einer der ganz Großen seiner Zunft: Ex-Supertramp Richard Palmer James. Ein Songwriter-Urgestein, das für so manches Kapitel Musikgeschichte persönlich verantwortlich ist (u.a. Arbeiten für King Crimson, Michel Cretu und Haddaway). „Ich habe Richard Palmer James vor einiger Zeit kennen gelernt“, sagt Claus Lehner über diese neu geknüpfte Allianz, „wir haben uns auf Anhieb sehr gut verstanden, auch musikalisch. Er mag unsere eher ruhigen, nachdenklichen Songs. Sie haben ihn zu großartigen Texten inspiriert und Silverpark im Songwriting einen guten Schritt nach vorne gebracht.“

So ein, zwei Qualitäts-Stufen ging es auch gemeinsam mit Gast-Star Al Di Meola nach oben. Natürlich. Schließlich gilt der Amerikaner bereits seit den frühen 1970er Jahren als einer der weltbesten Gitarristen. Seine Solo-Alben „Elegant Gipsy“ und „Casino“ gehören zu den Meilensteinen der Jazz-Rock-Literatur und mit dem millionenfach verkauften Live-Album „Friday Night In San Francisco“ (gemeinsam mit John McLaughlin und Paco de Lucia) definierte er in den 80er Jahren das Akustik-Gitarrenspiel auf einem bis dato unbekannten Niveau. Dass der in New Jersey lebende Virtuose nichts von seinem Genie eingebüßt hat, belegt er mit seinem so einfühlsamen wie technisch brillanten Spiel bei dem Song „Chelsea Hotel No.2“. Die 1974 von Leonard Cohen komponierte Ode an das legendäre Künstlerhotel haben Lehner, Di Meola und Mitstreiter wie Bassist Alex Klier auf „Endless Sleep“ neu vertont – und zu neuem Glanz verholfen. Neben der unnachahmlichen Spielweise Di Meolas erweist sich auch Claus Lehner mit lässig-lakonischem, gleichermaßen gefühlvollen wie coolen Vortrag dieser Jahrhundert-Komposition würdig.

Wie nahe Lehner seinem Vorbild Leonard Cohen künstlerisch mittlerweile gekommen ist, zeigt sich auch in einem weiteren Cohen-Cover – in „Suzanne“. Dem Silverpark-Lineup gelingt hier das Kunststück, diesem ikonischen Song-Denkmal neue Klangfacetten abzuringen, ohne dabei am harmonischen Fundament des Klassikers zu rütteln. Ein musikalischer Drahtseilakt, der gleichermaßen auf Kennerschaft und Respekt fußt.

Erstaunlicherweise können es die Song-Eigengewächse der Münchner Formation glatt mit den legendären Cohen-Tracks aufnehmen. Mehr noch: Sie knüpfen atmosphärisch unmittelbar an ihnen an. Im Titeltrack – getragen von einer trägen, morbid-schönen Stimmung – beweisen sie melodiöse Klasse und poetische Brillanz; in „Cities“, eine einfühlsame Liebeserklärung an das Stadtleben, vermengen sie erlesene Singer-Songwriter-Poesie mit Drive und modernen Vibes; in „Bogeyman“, basierend auf jazzigen Akkorden und kraftvoller Bass-Linie, verhandelt Lehner elementare Lebensfragen und das wunderschöne „Over Water“ nimmt den Hörer mit auf einen elegischen Folk-Trip ans Meer.

Doch Silverpark kann auch anders: Auf „Luna“ erweitert die Formation ihren Klangkosmos um rockige, fast experimentelle Sounds, „Bad Friday“ erweist sich als komplexer, durcharrangierter und mit überraschenden Harmonie- und Rhythmus-Wendungen versehener Art-Rock-Track und bei „Wild Roses“ taucht die Formation in grandiose Country-Folk-Gefilde ein. Silverpark sind zurück – und besser denn je.
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